Audio-Bilder-Geschichte: Die Auferstehung einer totgesagten Erzählform – neue Beispiele

2. Juni 2010 um 8:23 | Veröffentlicht in Internet, Kapitel_5, Qualität | 1 Kommentar

Totgesagte leben länger. In einer differenzierten und intensiven Diskussion im Januar 2010 wiesen die besten deutschen Produzenten und Analysten von Audio-Bilder-Geschichten (u.a. Fabian Mohr, Fabian Schweyher, Steffen Leidel und Fiete Stegers) darauf hin, dass sich diese neue Erzählform im deutschen Online-Journalismus nicht durchgesetzt hat. Es stimmt, dass sich dieses Format nicht für jede journalistische Geschichte eignet. Es stimmt aber auch, dass Porträts mit Protagonisten, die etwas zu erzählen und zu zeigen haben, sich meist ganz hervorragend für Audio-Slideshows eignen – und zwar besser als Video oder reiner Text+Bild. Porträts im weitesten Sinne: nicht nur über einzelne Menschen, sondern auch über Gruppen, Projekte und Organisationen bis hin zu Kneipen und speziellen Locations.

In den vergangenen Monaten wurden zwei wichtige Journalistenpreise für Audio-Slideshows vergeben: Die Geschichte einer Münchner Kneipe von Matthias Eberl erhielt den Deutschen Reporterpreis. Das Porträt einer ehemaligen DDR-Sportlerin den Axel-Springer-Nachwuchsjournalistenpreis.

In einem Seminar am Institut für Journalistik der Universität Dortmund haben Studierende diese neue Erzählform getestet. Herausgekommen sind Stücke, die ich für ein großartiges Plädoyer dafür halte, dass Audio-Sideshows ein Potential haben, das in der breiten deutschen Landschaft des Online-Journalismus nicht ausgereizt ist. Aber überzeugen Sie sich bitte selbst und geben Sie ein Feedback (entweder hier oder direkt bei Pflichtlektuere.com).

Wir haben vielfältige Erkenntnisse gewonnen. Unter anderem: Erkenntnis I: Man muss eine singuläre und emotionale Story erzählen, die nicht nur gute O-Töne und Atmo bietet, sondern auch gute Fotos. OK – diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie kann aber nicht oft genug betont werden. Man darf sich nicht in zu komplexen Geschichten verstricken, kann aber dem porträtierten Menschen ganz nahe kommen – ich bin fest davon überzeugt, dass man ihm näher kommen kann als mit einer Video- oder TV-Geschichte. Erkenntnis II: Soundslides ist eine wundervolle Software für Einsteiger, hat aber Grenzen. Viele Studierende haben mit Video-Software gearbeitet (u.a. iMovie, Final Cut etc.). Der Einheitlichkeit halber, haben wir alles als YouTube-Video ausgespielt.

Wolfgang Blau: „Dem Journalismus geht es erstaunlich gut”

17. Mai 2010 um 20:57 | Veröffentlicht in Internet, Journalisten, Kapitel_7 | Hinterlasse einen Kommentar

Heute nur ein Hinweis auf eine erstaunlich gute Analyse von Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit online. Er schlägt in die gleichen Kerben wie immer wieder auch Alan Rusbridger (Guardian). „Man muss kein Idealist sein, um dem Journalismus ein goldenes Zeitalter vorauszusagen.”

Redaktionelle Transparenz und redaktionelle PR bei der NYTimes: Wie eine Redaktion mit Videos aus der Konferenz für sich selbst wirbt

24. März 2010 um 9:58 | Veröffentlicht in Ethik, Internet, Journalismusforschung, Kapitel_7, Qualität, Redaktion, Zeitung | Hinterlasse einen Kommentar

Über redaktionelle Transparenz habe ich hier schon oft gebloggt: über Video-Blattkritik bei der Bild-Zeitung, über offene Redaktionen mit Videos aus Konferenzen und internen Diskussionen in Schweden und den USA und über Transparenz durch Leseranwälte und Redaktionsblogs. Seit 22. März sendet die New York Times ein tägliches Video aus der Redaktion: Der so genante TimesCast ist – wie so häufig bei derartigen Formaten – eine Mischung aus einerseits Transparenz und Offenheit über redaktionelle Entscheidungen und andererseits redaktioneller Public Relations für die Arbeit der Redaktion und die Marke NYTimes. Man kann Ausschnitte aus der Redaktionskonferenz sehen oder bekommt Erklärungen von Journalisten über den speziellen Zugang zu einzelnen Geschichten. Im Gegensatz zu den Videos aus der Redaktion der Nachrichtensendung “Aktuellt” des schwedischen öffentlich-rechtlichen Senders SVT (Projekt 2007-2009 „Offene Redaktion“) hat man bei der NYTimes jedoch den Eindruck, dass es fast ausschließlich um PR geht – und weniger um Offenheit gegenüber den Nutzern über Debatten und Konfliktlinien in der Redaktion.

Es ist noch längst nicht geklärt, wie Redaktionen mit den neuen Möglichkeiten der Transparenz im Internet umgehen sollen – eine neue handwerkliche Frage, aber auch eine ethische Frage. Und eine Forschungsfrage: Führt Transparenz tatsächlich zu mehr Vertrauen? – In Vorträgen (vgl. z.B. 1, 2) und jüngst in einem Buchbeitrag habe ich auf diese neuen Chancen und Risiken hingewiesen (vgl. auch mein Interview im Deutschlandfunk zu diesem Thema).

Mehr über Journalismus nachdenken – nicht über Geschäftsmodelle. Und: Sich nicht hinter Paywalls einschließen

16. März 2010 um 11:07 | Veröffentlicht in Internet, Kapitel_7, Zeitung | Hinterlasse einen Kommentar

Der Chefredakteur des britischen Guardian, Alan Rusbridger, hat im Vorfeld zur Tagung „Journalism 2020″ in Wien zwei Interviews gegeben, die beide lesenswert sind: für diepresse.com und derstandard.at.  Er verteidigt noch einmal die Position, dass Paid Content im Internet den Journalismus zerstören würde: „Ich denke, die einzige Hoffnung für den Journalismus ist es, sich nicht hinter Bezahlmauern („Pay Walls“) einzuschließen. Dies zerstört genau jenes neue Potenzial, das der Journalismus heute hat.“ Und: „Es geht darum, mehr über den Journalismus nachzudenken als über Geschäftsmodelle.“ Viele deutsche Chefredakteure sehen das genau umgekehrt. Mein Eindruck von Tagungen und Diskussionen mit Chefredakteuren in den vergangenen Monaten: Der starre Blick auf Geschäftsmodelle blockiert das Nachdenken über Innovationen im Journalismus.

Der neue Newsroom der Blick-Gruppe in Zürich

16. März 2010 um 10:16 | Veröffentlicht in Kapitel_4, Newsroom, Redaktion, Zeitung | Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt einmal wieder eine „größte und modernste Redaktion“: Dieses Mal wurde sie in Zürich eröffnet, gehört zum Verlagshaus Ringier und produziert seit dem 7. März integriert für die drei Boulevard-Zeitungstitel Blick, SonntagsBlick und Blick am Abend (ein Gratisblatt) sowie für die Website Blick.ch – mit einer großen Web-TV-Einheit (14 Videojournalisten, Produzenten und Techniker). Blick in den neuen Newsroom der Blick-Gruppe, ZürichNach Darstellung der Blick-Gruppe reagiert man damit auf den Wandel der Mediennutzung. Marc Walder, CEO Ringier Schweiz und Deutschland: „Die Welt der Medien verändert sich rasend schnell: Menschen konsumieren heute Informationen und Unterhaltung komplett anders als noch vor drei Jahren. Für die Marke BLICK bedeutet das, dass sie 24 Stunden am Tag auf allen Kanälen zur Verfügung stehen muss.“ In einer Darstellung des SonntagsBlick Magazins heißt es: „Redaktoren schreiben nicht mehr einfach Artikel für eine Zeitung. Sie recherchieren und schreiben Geschichten, bevor sie wissen, wo diese erscheinen. Darüber befinden zuletzt die Ressortleiter und Chefredaktoren.“

Interessant ist die Darstellung des Newsrooms im Web: nicht nur Grundrisse der Architektur, sondern auch 360-Grad-Panorama-Bilder zeigen die Arbeitsplätze der 200 Journalisten, Fotografen und Layouter.

Wie meistens bei solchen Projekten wurden auch Arbeitsplätze abgebaut. „Schlankere Arbeitsabläufe und Synergien führten zu einem Abbau von 29 Vollzeitstellen“, hatte Ringier schon im Januar mitgeteilt, später sprach man von 25 Kündigungen und 22 Vollzeitstellen. Der Abbau erfolge hauptsächlich in Produktion, Layout, Bild und Korrektorat. Weniger davon betroffen seien die „schreibenden Ressorts“ der Redaktionen.

Integrierter Newsroom: How to do? – Modelle, Konzepte und die richtigen Fragen

5. März 2010 um 10:39 | Veröffentlicht in Journalismusforschung, Kapitel_4, Newsroom, Redaktion, Zeitung | Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt nicht das eine, beste und ideale Modell eines integrierten Newsrooms. Aber es gibt Modelle, Konzepte – und die richtigen Fragen, die sich jede Redaktion auf dem Weg zu ihrer eigenen optimalen Organisationsform stellen muss. Diese Punkte fasst Andy Kaltenbrunner in einem lesenswerten Interview zusammen. Andy Kaltenbrunner (Medienhaus Wien) hat zusammen mit spanischen Wissenschaftlern (u.a. José García Avilés) und mir in einem internationalen Forschungsprojekt alte und neue Newsroom-Modelle untersucht. Sein Interview zeigt, dass das Forschungsprojekt nicht nur wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und Systematisierung gebracht hat, sondern auch konkrete Tipps und Hinweise für Redaktionen in unsicheren Zeiten. (Nachtrag: Auch der Standard, Wien, hat Andy Kaltenbrunner zu diesem Thema interviewt.)

Traumberuf Journalist: Wege in den Journalismus – ein Überblick

7. September 2009 um 10:37 | Veröffentlicht in Journalisten, Journalistik, Kapitel_6 | 1 Kommentar

Nachdem der Pulverdampf der Debatte über einen provozierenden Artikel von Detlef Esslinger zur Ausbildung von Journalisten verraucht ist, möchte ich einen knappen und sachlichen Überblick über die verschiedenen Wege geben, die in den Journalismus führen. Denn auch meine Antwort auf Essingers Text war ein scharf formuliertes Plädoyer für die Journalistik – und kaum geeignet, Schülerinnen und Schüler bei einer sachlichen Entscheidung zu unterstützen, was für jeden persönlich der geeignete Studien- und Ausbildungsweg ist.

Bei der folgenden Übersicht orientiere ich mich an dem Buch „Einführung in den praktischen Journalismus“ (18. Auflage 2008), das Walther von La Roche 1975 erstmals veröffentlicht hat und an dem ich zusammen mit Gabriele Hooffacker seit zehn Jahren mitarbeite.

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, kann das Interview lesen, das ich im Juli für das Jugendnetzwerk fluter.de der Bundeszentrale für politische Bildung gegeben habe: Es ist in erster Linie für Schüler gedacht, die mit dem Gedanken spielen Journalist zu werden (Traumberuf Journalist/in?).

„Den Königsweg in den Beruf gibt es nicht“, schreiben wir in der „Einführung in den praktischen Journalismus“ auf S. 200. Und in der Tat hat man viele Wege zur Auswahl. Weiterlesen Traumberuf Journalist: Wege in den Journalismus – ein Überblick…

Wen sich die Süddeutsche Zeitung als obersten Ausbilder leistet. Eine Erwiderung auf Detlef Esslingers Kritik an der Journalistik

25. August 2009 um 12:58 | Veröffentlicht in Ethik, Journalistik, Kapitel_6, Qualität | 36 Kommentare

Joseph Pulitzer würde sich im Grabe umdrehen, könnte er die Süddeutsche Zeitung lesen. Denn dort leistet man sich einen Detlef Esslinger als obersten Ausbilder. Der ewig-gestrige Redakteur und Volontariatsbeauftragte hat ganz tief in der Mottenkiste der Vorurteile gekramt und ohne zu recherchieren einen hasserfüllten polemischen Artikel gegen die Journalistik als akademische Disziplin veröffentlicht.

Der Zeitungsverleger Joseph Pulitzer musste sich schon 1904 mit solchen Kleingeistern herumschlagen, als er zwei Millionen Dollar der Columbia University in New York vermachte und damit das Fundament für die Gründung eines Journalistik-Studiengangs und eines Journalistenpreises legte. In seinem Kampf gegen vielerlei Widerstände verglich Pulitzer den Journalismus mit der Medizin und der Rechtswissenschaft: Weiterlesen Wen sich die Süddeutsche Zeitung als obersten Ausbilder leistet. Eine Erwiderung auf Detlef Esslingers Kritik an der Journalistik…

Neue Studie zum Journalismus im Internet: Blogger erbringen punktuell journalistische Leistung und ergänzen den professionellen Journalismus

20. Mai 2009 um 11:43 | Veröffentlicht in Internet, Journalismusforschung, Journalisten, Kapitel_4, Kapitel_6, Kapitel_7 | 2 Kommentare

Zwischen bezahltem – also profesionellem – Journalismus, Bloggern und Nachrichten-Suchmaschinen besteht weniger ein Konkurrenzverhältnis, sondern vielmehr eine vielschichtige, sich gegenseitig ergänzende Beziehung. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, welche die „Vermittlungsakteure, -strukturen und -leistungen der aktuellen Internetöffentlichkeit“ drei Jahre lang untersucht hat.  Die Autoren Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke haben dazu ein Buch veröffentlicht sowie einen kostenlos zugänglichen Beitrag für die Zeitschrift Media Perspektiven. Das Buch besteht aus mehreren Einzelbeiträgen, welche über die DFG-finanzierte empirische Studie hinaus gehen; so ist dort z.B. auch ein Beitrag des australischen Forschers Axel Bruns veröffentlicht („Vom Gatekeeping zum Gatewatching“).

Empirisches Kernstück der Studie war eine Befragung von 503 journalistischen Internet-Angeboten, der eine Vollerhebung vorausgegangen war. Blogger erbringen demnach punktuell journalistische Leistungen und sie sind für die journalistische Recherche wichtig geworden.

„Durch die wechselseitige Thematisierung und Kommentierung beeinflussen sich journalistisch-professionelle und partizipative Angebote. Die Nutzerbeteiligung auf journalistischen Websites erscheint allerdings noch als Experimentierfeld. Die eigentliche Bedrohung des Internets für den professionellen Journalismus wird  nicht auf dem Publikums-, sondern auf dem Werbemarkt gesehen: Neue Werbeträger im Internet stellen die Querfinanzierung des Journalismus durch Werbeerlöse infrage.“

nachrichten.de geht im Juni online: eine Bündelung der News-Ströme im Web

20. Mai 2009 um 11:08 | Veröffentlicht in Internet, Kapitel_4, Kapitel_7 | 1 Kommentar

Im Juni will focus.de mit dem neuen Angebot nachrichten.de auf den Markt kommen. Zunächst hatte man mit einem Projektstart im April gerechnet (vgl. BDZV-Mitteilung). Chefredakteur Jochen Wegner erzählte am Samstag am Rande des Süddeutschen Journalistentags, dass zurzeit noch ein paar Dinge optimiert würden, und zeigte die aktuelle Version auf seinem iPhone in die Runde: nachrichten.de sieht ein wenig so aus wie focus.de – arbeitet aber ganz anders und bietet einen ganz anderen Service. Die Plattform wird ohne Journalisten auskommen: Eine Maschine bündelt aktuelle Nachrichten aus vielen journalitischen Websites – also ein wenig so wie news.google.de, aber noch viel mehr: Es werden z.B. auch Themendossiers gebündelt oder Themenkarrieren können verfolgt werden. Es ist – wie Jochen Wegner früher schon mal sagte – ein „Durchlauferhitzer für Journalismus, von dem alle Nachrichtenangebote gleichermaßen profitieren“. Die Beiträge selbst sind ja nur verlinkt. Traffic wird durch nachrichten.de also auf die ursprünglichen Websites gelenkt.

Focus.de hat sich bei der Entwicklung nicht nur von news.google.de inspirieren lassen, sondern auch von daylife.com. Ich bin sehr gespannt, wie der Algorithmus funktoniert, ob die Entwickler die Nachrichtenströme des Webs richtig eingeschätzt und die Relevanzkriterien sinnvoll definieren konnten (Wegner: „Wir haben beim Programmieren sehr viel über Nachrichten und Journalismus gelernt.“) Vielleicht wird man anhand des Angebots dann noch stärker transparent nachvollziehen können, wie Dutzende Redaktionen voneinander abschreiben und wie journalistische Hypes entstehen und vergehen (wie z.B. jüngst die Schweinegrippe).

Redaktionelle Konvergenz in der Schweiz

20. Mai 2009 um 10:24 | Veröffentlicht in Internet, Kapitel_4, Kapitel_7, Newsroom, Qualität, Redaktion, Zeitung, Öffentlich-rechtliche | Hinterlasse einen Kommentar

Redaktionen werden auch in der Schweiz immer mehr plattform-übergreifend organisiert. Ein Beispiel ist das „Bieler Taglatt“ (ein vergleichsweise kleines Medienhaus), das vor kurzem unter Chefredakteurin Catherine Duttweiler in einem Newsroom/an einem Newsdesk die Tageszeitungen „Bieler Tagblatt“ und „Journal du Jura“, das Lokalradio Canal3, das Regionalfernsehen Telebielingue sowie sechs Online-Plattformen zusammengeführt hat.

Der Verband Schweizer Presse hat die aktuellen Trends aufgegriffen und vor einer Woche das Dossier „Newsroom. Redaktionsorganisation im Wandel“ veröffentlicht, in dem neben grundsätzlichen Informationen z.B. von Dietmar Schantin (IFRA – Newsplex) und mir auch Daten und Fallbeispiele aus der Schweizer Medienlandschaft analysiert und vorgestellt werden.

Auch die öffentlich-rechtliche Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG hat das Thema Medienkonvergenz ganz oben auf der Agenda, nachdem der nationale Verwaltungsrat der SRG im März die Zusammenlegung von Radio, Fersehen und Online beschlossen hat. Im Grundsatz aus ökonomischen Gründen, weil die Gebührengelder und Werbeeinnahmen die Kosten nicht mehr decken. Doch wie diese beschlossene Zusammenlegung im Detail in den Redaktionen verwirklicht werden soll – „darüber gibt es fast täglich Konferenzen“, erzählten SRG-Journalisten gestern beim Seminar „Medienkonvergenz: Schock oder Chance?“ in Zürich. Wir konnten die SRG-Multimedia-Redaktion besuchen, die gerade mit der TV-Tagesschau-Redaktion zusammengelegt wird. In den Gesprächen wurde wieder einmal deutlich, dass eben nicht nur ökonische Gründe und Sparzwang zu konvergenten Redaktionen führen – sondern auch und vor allem das geänderte Nutzungsverhalten: Hansjörg Wilhelm, Leiter der Tagesschau-Multimedia-Redaktion sagte: „Das lineare Fernsehen ist ein Auslaufmodell.“ Immer mehr Journalisten – und vor allem alle künftigen – müssten für die TV-Sendung Tagesschau und für das Web arbeiten. Nur so können Sie in Zukunft ein breites (und junges) Publikum erreichen.

Fehlerkorrektur im Journalismus: sueddeutsche.de zeigt, wie man’s nicht macht

18. Mai 2009 um 15:14 | Veröffentlicht in Ethik, Internet, Kapitel_7, Qualität, Redaktion, Zeitung | Hinterlasse einen Kommentar

Fehler offensiv zu korrigieren und zu erklären – das müssen Redaktionen in Deutschland erst lernen. Im Gegensatz zum Journalismus in den USA und in Großbritannien. Weil immer wieder Fehler beim Korrigieren von Fehlern passieren, hier einmal eine kleine Studie, aus der man lernen kann, wie man’s nicht macht. SZ-Autor Willi Winkler hat am 13. Mai auf der Medienseite der Printausgabe darüber gelästert, dass beim Spiegel-Shop auch Nazi-Literatur bestellt werden kann. Dass auch die Süddeutsche Zeitung und andere Verlagshäuser Bücher verkaufen und damit alle in Deutschland gehandelte Literatur, war dem Autor entgangen. Der Beitrag wurde auch auf sueddeutsche.de veröffentlicht.

Was wir daraus lernen? Transparenz ist ein Qualitätskriterium des Journalismus, das gerade im Internet zunehmend wichtiger wird. Redaktionen sollten Fehler offensiv korrigieren, Nutzerkommentare dazu dankbar aufgreifen und auch auf Kritiker verlinken. Transparenz schafft Glaubwürdigkeit – nicht nur in Politik und Wirtschaft, sondern auch im Journalismus.

SZ-Magazin: Fackelzüge zur Zukunft der Zeitung

7. Mai 2009 um 13:27 | Veröffentlicht in Internet, Journalisten, Kapitel_4, Kapitel_7, Qualität, Zeitung | Hinterlasse einen Kommentar

Querverweis auf meinen Beitrag im Journalismus-Darmstadt-Blog: Das aktuelle SZ-Magazin ruft unter der Schlagzeile „Wozu Zeitung?“ zu „Fackelzügen von Journalisten und Druckern“ auf. Das hat uns wieder einmal zu einer kleinen Bastelanleitung inspiriert, wie man journalistisch mit Fragen zur Zukunft des Journalismus umgeht. Mein Kollege Thomas Pleil betrachtet das Ganze unter dem PR-Aspekt, wünscht sich aber lieber guten Journalismus statt eine PR-Kampagne.

30 Jahre „taz“: Erinnerungen an Haschischduft aus der Dunkelkammer und dilettantische Amateur-Journalisten

16. April 2009 um 9:54 | Veröffentlicht in Kapitel_4, Medienökonomie, Zeitung | Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten nur zwei Zeitungsgründungen, die längerfristig überlebten: die „taz“ (1979) und die „FTD“ (2000). Beide nutzten den Zeitgeist der Gründungsphase: die „FTD“ den Börsenboom der Jahrtausendwende und die „taz“ die links-alternative Szene der späten 70er Jahre, aus der auch die Grünen hervorgegangen sind. Am 17. April 1979 ist die erste Ausgabe der „taz“ erschienen. Was vor genau 30 Jahren begann, wird heute als Zukunftsmodell der Tageszeitung im Internet-Zeitalter beschrieben: Die „taz“ gehört keinem Verleger oder Medienkonzern, sondern einer Genossenschaft aus Leserinnen und Lesern. Und sie wurde damals von politisch motivierten Amateuren gemacht – heute würde man sie wohl „Blogger“ nennen.

Michael Sontheimer war mit dabei. Er erinnert sich an die ersten Tage, an den Haschischduft aus der Dunkelkammer und die Selbstausbeutung der Laien, die sich als Journalisten versuchten, und dabei „genial dilettantisch“ arbeiteten:

„Es hat funktioniert. Es hat deshalb funktioniert, weil wir keine Journalisten waren, sondern politisch motivierte Amateure. Die „taz“ wandelte sich, ganz anders als wir uns das gedacht hatten, von einem radikalen Szeneblatt zum Medium des neuen alternativen Bürgertums – ihr Weg ähnelte dem der Grünen. Die „taz“ wurde auch zur erfolgreichsten Journalistenschule der Nation – keine wichtige Redaktion ohne ehemalige „taz“-Redakteure.“

Inzwischen hat sich die „taz“ – mit Ausnahme einzelner Provokationen, die man auch als ethische Entgleisungen bezeichnen kann – der Berliner Medienszene angepasst: Den 30. feiert man mit einer Gala und einem Kongress und ab Samstag mit neuem Layout (von der Agentur KircherBurckhardt, die seit einigen Jahren das Erscheinungsbild der deutschen Tageszeitungen prägt und vereinheitlicht).

Bildblog will ab morgen alle Medien kritisieren

5. April 2009 um 18:43 | Veröffentlicht in Ethik, Kapitel_7, Qualität | Hinterlasse einen Kommentar

Als „Bildblog für alle“ will das Team von Bildblog.de künftig antreten. Nach fast fünf Jahren Kritik an Europas größter Tageszeitung weitet sich nun der Fokus. „[…] es ging uns nie nur um die „Bild“-Zeitung, sondern um ihre Macht als viel gelesenes und für wichtig genommenes Leitmedium”, schreiben die Macher des Bildblog. „Es gibt viele Beispiele dafür, wie deutsche Medien ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Oft fehlt es schon an der schlichten Bereitschaft, eigene Fehler zu korrigieren. Sinkende Werbeerlöse und der Medienumbruch bedrohen gerade die Qualität.“ Nach dem Abschied von Bildblog-Mitbegründer Christoph Schultheis ergänzt der Ex-Zeitungs- und Fernsehjournalist Christian Jakubetz die beiden Medien-Kritiker Stefan Niggemeier und Lukas Heinser.

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