Empirisch geprüft: Internet verdrängt Tageszeitung

20. Dezember 2007 at 15:48 | In Internet, Journalismusforschung, Kapitel_3, Kapitel_4, Kapitel_7, Publikumsforschung, Zeitung | 2 Comments

Ergänzend zu meinem Beitrag Auslaufmodell Tageszeitung ein aktueller Hinweis auf eine Studie, die jetzt in der Zeitschrift “Medien & Kommunikationswissenschaft” erschienen ist. Der Beitrag erhärtet empirisch die These der zunehmenden Verdrängung der Tageszeitung durch Nachrichtensites im Internet. Castulus Kolo und Robin Meyer-Lucht haben in Zeitreihenanalysen die Daten aus zwei großen Mediennutzungsstudien (ACTA und AWA) zwischen 2000 und 2006 ausgewertet. Dies ist zwar nicht unproblematisch, weil diese Befragungen eigentlich für einen anderen Zweck erhoben wurden und sich Schlussfolgerungen zum Verhältnis zwischen Tageszeitung und Nachrichtensites nur indirekt ziehen lassen. Allerdings sind die Indizien so eindeutig, dass eine starke Verdrängung insbesondere bei nachrichteninteressierten Nutzern („News-Junkies“) als erwiesen gelten kann. Dramatisch ist nicht nur der Rückgang des gesamten Leserkreises, sondern vor allem die Erosion der Intensivleserschaft bei Tageszeitungen.

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Auslaufmodell Tageszeitung?

12. Dezember 2007 at 10:57 | In Kapitel_4, Kapitel_7, Zeitung | 2 Comments

Die Prognosen über die Zukunft der Tageszeitung sind extrem bunt. Ein Bericht aus der Schweiz – wo die Gratiszeitungen boomen – fasst einige schillernde Stellungnahmen aus Praxis und Wissenschaft zusammen. Wird das Internet zunehmend zum „Leitmedium“ vor allem der jungen Generation? Oder wollen junge Menschen Zeitung lesen, aber nur nicht dafür bezahlen – wie mir letzte Woche ein österreichischer Medienmanager sagte? Wird es in 5, in 10 oder in 20 Jahren keine Printzeitung mehr geben? – Auf fünf Jahre Galgenfrist setzt so mancher US-amerikanischer Medienmanager; 20 Jahre ist die zentraleuropäische Perspektive (die z.B. der Wissenschaftler Klaus Schönbach vertritt). Der Abgesang auf täglich neu bedrucktes Papier kommt vor allem aus den anglo-amerikanischen Ländern. „Druckerschwärze auf toten Bäumen“ nennt Andrew Gowers, Ex-Chefredakteur der Financial Times, die klassische Zeitung auf Papier. Und der Verleger der New York Times, Arthur Ochs Sulzberger Jr., wird mit den Worten zitiert: “I really don’t know whether we’ll be printing The Times in five years, and you know what? I don’t care.” Das soll optimistisch klingen. Und in der Tat: Die großen Medienkonzerne in aller Welt haben nun endgültig das Internet für sich entdeckt: Es soll nicht mehr Konkurrenz und Bedrohung für die traditionellen medialen Plattformen sein, sondern ein Wachstumsmotor.

Hat die gedruckte Zeitung eine Zukunft? – Diskussionsbeiträge willkommen.

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