Umfassendes Gutachten zur Entwicklung der Medien in Deutschland

19. Dezember 2008 at 11:20 | In Journalismusforschung, Kapitel_4, Kapitel_7, Kommunikationsfreiheit, Medienökonomie, Qualität | 1 Comment

Die Bundesregierung hat in dieser Woche einen neuen Medien- und Kommunikationsbericht in Berlin vorgestellt. Der letzte Bericht stammt aus dem Jahr 1998. Ziel dieser Berichte, die an den Bundestag gehen und öffentlich zur Verfügung stehen, ist es in erster Linie, die Medienpolitik in Deutschland darzulegen. Das ist bei den Aspekten, die mit Journalismus zu tun haben, dann nicht so richtig befriedigend: Häufig werden „Defizite festgestellt“ und es wird schön formuliert, dass die Bundesregierung einen „erheblichen Handlungsbedarf“ sieht (z.B. zur Aus- und Fortbildung von Journalisten, S. 85f.) – aber die Standardantwort ist meist, dass die Bundesregierung nur beschränkte Handlungsmöglichkeiten hat und andere gefordert sind (z.B. die Medienunternehmen, was die praktische Ausbildung betrifft, oder die Bundesländer, was die Hochschulausbildung angeht). Das ist zwar richtig, nur wahnsinnig erhellend ist der Bericht dann in dieser Hinsicht nicht – und erst recht nicht lösungsorientiert. Dieses Geschwurbel hätte man sich schenken können (jetzt hat es halt die Bundesregierung auch mal gesagt).

Aber: Für ein wissenschaftliches Fachpublikum ist vor allem das umfassende Gutachten, das dem Bericht zu Grunde lag, lesenswert: Das Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg hat auf 380 Seiten die Entwicklung der Medien in den vergangenen zehn Jahren zusammengefasst und analysiert – auf Basis einer intensiven Recherche in zahlreichen wissenschaftlichen Studien. Das Gutachten stammt vom 4. Juni 2008 und steht jetzt ebenfalls als pdf-Datei zur Verfügung. Ich empfehle die pdf-Datei für Journalistik-Studierende als Basis für wissenschaftliche Recherchen in Seminaren und Abschlussarbeiten. Vielleicht kann man ja auch über die Feiertage mal reinlesen…

Rezension von Bernd Blöbaum in der „Publizistik“: „empfehlenswertes Überblickslehrbuch“

5. Dezember 2008 at 18:12 | In Rezensionen | Leave a Comment

In einer sachlichen Rezension hat Journalistik-Professor Bernd Blöbaum, Universität Münster, das Buch „Journalistik“ in der Fachzeitschrift „Publizistik“ besprochen. Es handelt sich um eine Sammelrezension: Gleichzeitig geht es um das Buch „Kommunikationswissenschaft“ von Klaus Beck. Der Rezensent bezeichnet beide als „empfehlenswerte Überblickslehrbücher“:

„Klaus Meier und Klaus Beck haben empfehlenswerte Überblickslehrbücher für die Journalistik und Kommunikationswissenschaft verfasst, die gute Ergänzungen und Begleitungen zu entsprechend konzipierten Vorlesungen sind. Ihre Absicht, systematische Einführungen zu sein, erfüllen beide Bücher.”

Speziell zum Buch „Journalistik“ merkt Bernd Blöbaum an: „Insbesondere das Kapitel über die Redaktionsorganisation ist eine konzise Darstellung des aktuellen Forschungsstandes.”

Neue Forschungsergebnisse zum Wandel der Qualität im Journalismus

1. Dezember 2008 at 19:11 | In Journalismusforschung, Kapitel_1, Kapitel_4, Kapitel_7 | 4 Comments

Besonders in Krisenzeiten wird (wieder) über eine angeblich abnehmende Qualität im Journalismus geklagt. Die Belege sind meistens fallbezogen: Journalisten berichten aus eigenen Erfahrungen und verklären nicht selten die Vergangenheit. Doch wie hat sich die Qualität über Jahre und Jahrzehnte hinweg tatsächlich entwickelt? – Das ist eine Kernfrage, die auf der Tagung der European Communication Research and Education Association (ECREA) in der vergangenen Woche in Barcelona in mehreren Panels auf Basis neuer Ergebnisse der Journalismusforschung diskutiert wurde. Drei Beispiele:

  • Eine britische Studie der Goldsmiths University war weitgehend skeptisch: Redaktionen würden mehr in Technologie und weniger in Journalisten investieren, insbesondere im Internet stelle sich die Grundfrage, ob das traditionelle Geschäftsmodell des Journalismus überhaupt noch funktioniere, die journalistischen Werte und Standards seien in Gefahr – und damit „the lifeblood of democracy“, wie es Panel-Moderatorin Natalie Fenton formulierte.
  • Zu anderen Ergebnissen kommt die wohl größte Journalismus-Studie, die sich zurzeit in Deutschland im Feld und in der Auswertung befindet (vgl. meinen Blogeintrag dazu). Studienleiter Bernd Blöbaum von der Universität Münster meinte, man müsse den Wandel der journalistischen Qualität differenzierter sehen. Die überregionalen Qualitätszeitungen zum Beispiel seien auf jeden Fall besser geworden. Eine vergleichende Inhaltsanalyse mehrerer Medien zwischen 1990 und heute habe ergeben, dass die journalistische Berichterstattung aktiver und unabhängiger von Ereignissen und (Politiker-)Statements geworden sei. Die Themenbereiche seien breiter und vielfältiger geworden: weniger Politik, dafür umso mehr Gesundheit, Wissenschaft, Lifestyle, Wirtschaft und Sport. Die Redaktionen achteten mehr auf eine eigenständige Profilbildung – und kauten nicht mehr zwangsläufig das wieder, was die Nachrichtenagenturen und Leitmedien vorgeben. Das Abstract und die Präsentation waren die erste Veröffentlichung dieser groß angelegten Studie. Man darf auf weitere, tiefer gehende Veröffentlichungen gespannt sein – insbesondere auf das Buch, das für 2009/2010 angekündigt ist.
  • Das Panel, an dem ich beteiligt war („Media Convergence in Europe“), hat sich mit den vielfältigen Aspekten und Auswirkungen der Medienkonvergenz auf den Journalismus beschäftigt. In der Diskussion ging es u.a. um die Frage, wie konvergente Redaktionen und redaktionelle Strategien die Kompetenzen und die Ausbildung der Journalisten verändern. Interessant zu sehen war für mich einmal mehr, dass Medienkonvergenz und redaktionelle Konvergenz aktuelle Phänomene sind, die in anderen europäischen Ländern zwar einerseits genauso intensiv, andererseits aber auch ganz anders diskutiert und redaktionell umgesetzt werden – aufgrund z.B. der anderen ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen oder der anderen traditionellen Redaktionsstrukturen. Das englische Wort „Convergence“ haben indes viele Vortragene in ganz unterschiedlichen Panels in den Mund genommen. Die Forschung dazu steht erst am Anfang – insbesondere die international vergleichende Forschung.

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