Redaktionelle Konvergenz in der Schweiz

20. Mai 2009 at 10:24 | In Internet, Kapitel_4, Kapitel_7, Newsroom, Qualität, Redaktion, Zeitung, Öffentlich-rechtliche | Leave a Comment

Redaktionen werden auch in der Schweiz immer mehr plattform-übergreifend organisiert. Ein Beispiel ist das „Bieler Taglatt“ (ein vergleichsweise kleines Medienhaus), das vor kurzem unter Chefredakteurin Catherine Duttweiler in einem Newsroom/an einem Newsdesk die Tageszeitungen „Bieler Tagblatt“ und „Journal du Jura“, das Lokalradio Canal3, das Regionalfernsehen Telebielingue sowie sechs Online-Plattformen zusammengeführt hat.

Der Verband Schweizer Presse hat die aktuellen Trends aufgegriffen und vor einer Woche das Dossier „Newsroom. Redaktionsorganisation im Wandel“ veröffentlicht, in dem neben grundsätzlichen Informationen z.B. von Dietmar Schantin (IFRA – Newsplex) und mir auch Daten und Fallbeispiele aus der Schweizer Medienlandschaft analysiert und vorgestellt werden.

Auch die öffentlich-rechtliche Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG hat das Thema Medienkonvergenz ganz oben auf der Agenda, nachdem der nationale Verwaltungsrat der SRG im März die Zusammenlegung von Radio, Fersehen und Online beschlossen hat. Im Grundsatz aus ökonomischen Gründen, weil die Gebührengelder und Werbeeinnahmen die Kosten nicht mehr decken. Doch wie diese beschlossene Zusammenlegung im Detail in den Redaktionen verwirklicht werden soll – „darüber gibt es fast täglich Konferenzen“, erzählten SRG-Journalisten gestern beim Seminar „Medienkonvergenz: Schock oder Chance?“ in Zürich. Wir konnten die SRG-Multimedia-Redaktion besuchen, die gerade mit der TV-Tagesschau-Redaktion zusammengelegt wird. In den Gesprächen wurde wieder einmal deutlich, dass eben nicht nur ökonische Gründe und Sparzwang zu konvergenten Redaktionen führen – sondern auch und vor allem das geänderte Nutzungsverhalten: Hansjörg Wilhelm, Leiter der Tagesschau-Multimedia-Redaktion sagte: „Das lineare Fernsehen ist ein Auslaufmodell.“ Immer mehr Journalisten – und vor allem alle künftigen – müssten für die TV-Sendung Tagesschau und für das Web arbeiten. Nur so können Sie in Zukunft ein breites (und junges) Publikum erreichen.

Fehlerkorrektur im Journalismus: sueddeutsche.de zeigt, wie man’s nicht macht

18. Mai 2009 at 15:14 | In Ethik, Internet, Kapitel_7, Qualität, Redaktion, Zeitung | Leave a Comment

Fehler offensiv zu korrigieren und zu erklären – das müssen Redaktionen in Deutschland erst lernen. Im Gegensatz zum Journalismus in den USA und in Großbritannien. Weil immer wieder Fehler beim Korrigieren von Fehlern passieren, hier einmal eine kleine Studie, aus der man lernen kann, wie man’s nicht macht. SZ-Autor Willi Winkler hat am 13. Mai auf der Medienseite der Printausgabe darüber gelästert, dass beim Spiegel-Shop auch Nazi-Literatur bestellt werden kann. Dass auch die Süddeutsche Zeitung und andere Verlagshäuser Bücher verkaufen und damit alle in Deutschland gehandelte Literatur, war dem Autor entgangen. Der Beitrag wurde auch auf sueddeutsche.de veröffentlicht.

Was wir daraus lernen? Transparenz ist ein Qualitätskriterium des Journalismus, das gerade im Internet zunehmend wichtiger wird. Redaktionen sollten Fehler offensiv korrigieren, Nutzerkommentare dazu dankbar aufgreifen und auch auf Kritiker verlinken. Transparenz schafft Glaubwürdigkeit – nicht nur in Politik und Wirtschaft, sondern auch im Journalismus.

Neuer Newsroom: Auch der Guardian arbeitet jetzt „integrated“

9. März 2009 at 13:17 | In Internet, Kapitel_4, Newsroom, Redaktion | Leave a Comment

„We are organised by subject rather than by platform“, sagt Chefredakteur Alan Rusbridger über den neuen „integrated newsroom“ des Guardian. Und: „We have multimedia facilities that are as good as anything that the BBC has.“ London hat seit einigen Wochen zwei moderne Vorzeige-Redaktionen: Nach dem Vorreiter Daily Telegraph im Januar 2007 ist jetzt auch der Konkurrent Guardian mit 730 Journalisten in ein völlig neues Redaktionsgebäude gezogen. Die Fachzeitschrift „Press Gazette“ zeigt die neuen Räume und das redaktionelle Konzept des Guardian in einer Audio-Slideshow – in der gedruckten „Press Gazette“ (Feb. 2009) ist ein Interview mit Rusbridger zu lesen (leider noch nicht online, aber schon im Mai hat er sein neues Konzept vorgestellt: „pods in a matrix“). Integriert ist nicht nur print und online der Tageszeitung, sondern auch der Sonntagszeitung Observer: Die Thementeams (Ressortteams) bedienen also drei Plattformen mit jeweils ganz unterschiedlichen Anforderungen.

Der neue integrierte Newsroom der Frankfurter Rundschau

20. Februar 2009 at 17:06 | In Internet, Kapitel_4, Newsroom, Redaktion, Zeitung | Leave a Comment

Es gibt einen neuen „modernsten Newsroom“ in Deutschland: Dieses Mal nicht in Berlin oder München, sondern in Frankfurt: Die „Frankfurter Rundschau“ ist am Wochenende in ein ehemaliges Straßenbahn-Depot in Sachsenhausen gezogen. Kernstück des neuen Gebäudes ist ein Newsroom mit 90 Arbeitsplätzen und einem großen runden Tisch in der Mitte. Chefredakteur Uwe Vorkötter erklärt stolz die strategischen Ziele der völlig neuen redaktionellen Strukturen – Redakteure sind im FR-Video mal begeistert, mal skeptisch. Typisch FR :-). Vorkötter: „Es gibt dort keine Trennung zwischen Print und Online mehr. Es gibt nur noch eine Redaktion. Aus ihrem Material wird die Doppelseite in der Zeitung gestaltet, ebenso wie die Kurznachricht auf dem Handy. Es ist eine Redaktion, die multimedial denkt und arbeitet. Und die sich dafür neu organisieren muss.“ 

Der Newsdesk (man nennt ihn übrigens „Brücke“) ist rund – sieht fast so aus wie beim „Daily Telegraph“ in London oder wie bei der Tageszeitung „Österreich“ in Wien. An ihm sitzen neben den Chefredakteuren die Ressortleiter, die gleichzeitig für Print und für online zuständig sind. Die Redaktionsstrukturen sind stark angelehnt an den Telegraph; die FR wurde ebenso wie das Vorbild in London von der IFRA in Darmstadt beraten (Joachim Blum).

Morgen (Samstag) wird eine Print-Beilage zum neuen Newsroom erscheinen. Einen Vorgeschmack mit Text von Vorkötter und prima Video-Interviews gibt’s online.

SZ und FR: überregionale Zeitungen bauen Print-online-Integration aus – mit unterschiedlichen Ansätzen

12. November 2008 at 22:10 | In Allgemein, Internet, Kapitel_4, Kapitel_7, Newsroom, Redaktion, Zeitung | Leave a Comment

Seit Anfang November arbeitet die Redaktion der Süddeutschen Zeitung in einem neuen Gebäude am Stadtrand: Ein Hochhaus, das keiner mag und kaum für redaktionelles Arbeiten geplant wurde – schon gar nicht für die Anforderungen eines großen crossmedialen Newsrooms. Im Zentrum des Gebäudes schlägt nicht das Herz der Redaktion, sondern es rumpeln Aufzüge und plätzschern Toiletten. (Genau das hasste die APA-Redaktion und deshalb hat die APA in Wien ein neues Redaktionsgebäude gebaut, in dem seit 2005 das Herz in der Mitte schlägt – vgl. meine Studie dazu).

Doch die SZ-Redaktion hat versucht, das Beste aus der ungeeigneten Architektur zu machen: Im 22. Stockwerk ist ein Newsroom mit 40 Arbeitsplätzen und einem zentralen Newsdesk eingerichtet. Dort arbeiten 30 Print- und zehn Online-Redakteure überwiegend aus den Ressorts Innenpolitik, Außenpolitik und Panorama. Die restlichen Online-Journalisten sitzen zwei Stockwerke darunter. Die Printressorts sind auf die Etagen 15 bis 25 verteilt. Online-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs ist trotz dieser Verteilung optimistisch nun „Zeitung und Internet aus einem Guss“ produzieren zu können: „Die Zusammenarbeit von sueddeutsche.de und SZ-Redaktion soll am neuen Standort intensiviert werden.“

Ganz anders plant die Frankfurter Rundschau: Das neue Gebäude im Kultviertel Sachsenhausen wird um einen großen Newsroom mit ca. 700 Quadratmetern herum gebaut (Fotos und Video von der Baustelle). Das Rundschau-Haus soll im Februar/März 2009 bezogen werden. Chefredakteur Uwe Vorkötter will dann die Online-Redaktion auflösen (im Video-Interview mit Peter Turi): Die Online-Journalisten werden auf die Ressorts verteilt und sollen dort die Motivation für online unter allen FR-Journalisten fördern; jeder Ressortleiter wird für Print und Online zuständig sein. Alle 150 Printredakteure sollen dann zu Online-Redakteuren werden. „Die gesamte jetzige Printredaktion muss ihren Tages- und Arbeitsablauf umstellen“, so Uwe Vorkötter. Man folgt dem Idealbild der „konvergenten Redaktion“ (so nennt es Vorkötter) – nach dem Vorbild des britischen Daily Telegraph. Problematisch ist aus meiner Sicht, dass die Online-Kompetenz untergehen könnte – zumindest so lange, bis die Print-Redakteure tatsächlich Online-Know-How erworben haben und umsetzen können. Intensive Weiterbildung und viel Geduld (vor allem auch der jetzigen Online-Spezialisten) wird wohl nötig sein.

Redaktionelle Transparenz als PR-Gag: Vizekanzler darf Bild-Zeitung im Newsroom „kritisieren“

22. September 2008 at 18:05 | In Ethik, Kapitel_7, Redaktion, Zeitung | 4 Comments

Nachtrag zu meinem Beitrag vom 8. September: Wie „redaktionelle Transparenz“ zu einem PR-Gag verkommen kann, zeigt beispielhaft die Bild-Zeitung: Die tägliche Blattkritik soll ab heute öffentlich von einem Prominenten übernommen werden. Sie wird als Video aufgezeichnet und ist ab 12 Uhr im Web zu sehen. Begonnen hat heute Bundesaußenminister und Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier. Er ging sehr moderat und oberflächlich mit den Bild-Redakteuren um. Sogar Chefredakteur Kai Diekmann meinte: „Sie hätten ruhig noch viel strenger mit uns sein können.“ Wie wahr. Einerseits ist eine „öffentliche Blattkritik“ eine gute Idee, die redaktionelle Transparenz fördern kann, andererseits wird es wohl schwierig, in einem kurzen Videoclip kritisch in die Tiefe zu gehen und zu diskutieren – zumal wenn der Kritiker nicht als griesgrämiger Oberlehrer dastehen, sondern in einem Jahr den Bundestagswahlkampf gewinnen will.

Blogger sprechen heute von „unbezahlter Werbung“ (gemeint ist von Steinmeier für Bild, könnte man auch umgekehrt sehen), Journalisten von „Wattebäuschchen“ und der „üblichen Berliner Heuchelei“ (Hans Leyendecker, SZ).

Was wir daraus lernen? – Bild hat sich massiv gewandelt. Von der redaktionellen Festung (gegen Angriffe a la Wallraff) zur redaktionellen Marketing- und PR-Maschine mit ethischem Anstrich (vgl. Leserbeirat, Korrekturspalte, öffentliche Blattkritik).

Nachtrag I (4.12.08): Heute startet Bild die nächste PR-Staffel (genannt „Leserreporter“): Bei Lidl werden mehrere zehntausend Bild.de-Videokameras verkauft – zum Schnäppchenpreis von 70,- Euro. Das gedrehte Material wird beim Anschluss der Kamera an einen PC auf den bild.de-Videoserver übertragen. Chefredakteur Kai Diekmann hat die Kamera bei der Bambiverleihung ausprobiert und die gedrehten Videoschnipsel professionell schneiden lassen. Das Ergebnis ist technisch gesehen ziemlicher Schrott (Bildauflösung und vor allem der Ton!) – inhaltlich aber ganz unterhaltsam (vor allem weil das Material professionell geschnitten und untertitelt wurde). Reaktionen aus der Branche auf den PR-Gag: Der DJV erwartet (wieder einmal) den Untergang des professionellen Journalismus. Die Online-Chefredakteurin des Tagesspiegel, Mercedes Bunz, dagegen leuchtet die Hintergründe der Diekmann-Strategie aus und fordert zum Nachmachen auf. Die Süddeutsche regt sich dagegen auf: „Die Menschen beschweren sich derzeit, dass durch das BKA-Gesetz der nächste Schritt zum Überwachungsstaat getan wird und sich keiner mehr seiner Privatsphäre sicher sein kann. Über den Volksjournalismus à la Bild echauffiert sich kaum jemand. Und doch: Es ist der erste Schritt zur Überwachungszeitung.“

Nachtrag II (4.12.08): Bild hat mal wieder eine öffentliche Rüge vom Presserat kassiert – und Kai Diekmann regt sich fürchterlich auf. Sein Kronzeuge: Die betreffende Bild-Ausgabe hat ausgerechnet der Intendant des DeutschlandRadio, Ernst Elitz, in der öffentlichen Blattkritik besprochen – und sich damals gar nicht über die Berichterstattung beklagt. Im Gegenteil: Er lobt im Großen und Ganzen, kritisiert eher Kleinigkeiten; zur vom Presserat gerügten Geschichte sagt Elitz: „…eine textlich und fotomäßig sehr gut, bestens recherchierte Geschichte…sicher eine tolle Teamleistung”. Der Presserat sieht dagegen eine „unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität“. Elitz kontra Presserat also – und das alles aufgrund der Promi-Blattkritik.

„Offene Redaktion“ und „Transparent newsroom“

8. September 2008 at 13:29 | In Ethik, Kapitel_7, Qualität, Redaktion | 2 Comments

Leider kann ich nicht schwedisch. Leider können die meisten Redakteure und Redaktionsleiter in Deutschland nicht schwedisch. Sonst könnten sie sich das Projekt „Öppen redaktion“ (Offene Redaktion) einmal näher ansehen: In der Redaktion der Nachrichtensendung „Aktuellt“ des schwedischen öffentlich-rechtlichen Senders SVT sind permament zwei Videoreporter unterwegs und filmen Konferenzen und Gespräche; die Videoclips werden sofort ins Web gestellt. Cristina Elia vom Schweizer European Journalism Observatory (EJO) hat in einem Beitrag für die NZZ die „Offene Redaktion“ beschrieben und Vor- und Nachteile herausgearbeitet. Die Redaktion will Transparenz herstellen und damit das Vertrauen und Verständnis des Fernsehpublikums (zurück)gewinnen.

In Zeiten des rapiden medialen Glaubwürdigkeitsverlusts ist das Projekt vorbildlich. Jede einzelne Redaktion muss um Vertrauen beim Publikum werben, um das diffuse Misstrauen zu durchbrechen, das sich auf alle Medienanbieter gelegt hat. Nur noch 31 Prozent der Deutschen vertrauen nach einer Studie der GfK der Berufsgruppe der Journalisten. Vertrauensbildung durch Transparenz: In einem Blogeintrag im November 2007 habe ich bereits auf Leseranwälte und Redaktionsblogs verwiesen. Das Redaktionsblog der Tagesschau z.B. geht ähnliche Wege wie „Aktuellt“ – aber bei weitem nicht so weit.

Ein weiteres Beispiel ist die Initiative „Transparent Newsroom“, welche die us-amerikanischen Tageszeitung „The Spokesman-Review“ schon 2005 ins Leben gerufen hat: Auf der „Spokesman“-Website werden nicht nur Blogger und andere Leser eingeladen, die Zeitung zu kritisieren, der Chefredakteur fasst zudem täglich die Ergebnisse der Redaktionskonferenz im Blog „Daily Briefing“ zusammen, redaktionelle Entscheidungen werden begründet und mit den Lesern diskutiert – und die beiden täglichen Redaktionskonferenzen werden um 10 Uhr und um 16.30 Uhr live per Webcast im Internet übertragen. Das Projekt „Transparent Newsroom“ solle die „Festung Redaktion“ („fortress newsroom“) niederreißen, meint Chefredakteur Steven A. Smith im Blog Pressthink. Im folgenden Videobeitrag – produziert vom „Spokesman“-multimedia producer Colin Mulvany – erklären Chefredakteur und Redakteure ihren „Transparent Newsroom“:

In einem Beitrag für das von Christian Schicha und Carsten Brosda herausgegebene Handbuch Medienethik fasse ich zurzeit ähnliche Initiativen zusammen, welche die Redaktion als Institution der Medienethik stärken. Das Handbuch soll im Sommer 2009 im VS-Verlag Wiesbaden erscheinen.

Nachtrag: Gerade erreicht mich eine Mail meines Kollegen Prof. Dr. José A. García Avilés. Er ist Professor für Journalistik an der Universidad Miguel Hernández in Elche (bei Alicante in Spanien). Ich kenne ihn aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt zu „Newsroom Convergence“. Ab heute schreibt er das Blog „El Nautilus“ auf der Website des spanischen TV-Senders Telecinco. Er will Tendenzen im Fernsehen analysieren – und kann so vielleicht auch ein wenig zu Transparenz im Mediengeschäft beitragen. Beteiligt sich eigentlich ein deutscher Journalistik-Professor an einem Transparenz-Blog auf einer redaktionellen Website? – Ich weiß von keinem.

 

Der Multimedia Newsroom der BBC

17. April 2008 at 10:38 | In Internet, Kapitel_4, Kapitel_7, Newsroom, Redaktion, Öffentlich-rechtliche | 1 Comment

Beim Thema „crossmediale Redaktionen“ reden wir zurzeit häufig über die Verbindung von Print und Online – vor allem bei Tageszeitungen. Doch auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland werden Strategie-Papiere erarbeitet, einzelne Projekte umgesetzt oder sogar Newsrooms und Rundfunkhäuser komplett neu strukturiert (wie z.B. beim ZDF, beim Saarländischen Rundfunk oder bei Radio Bremen).

Dass die deutschen Rundfunkanstalten erst am Anfang stehen, zeigt das Beispiel der BBC: Mit dem Programm „Creative Future“ hat die traditionsreiche britische Anstalt vor etwa einem Jahr der on demand-Strategie und den Online-Diensten (24/7-Diensten) den Vorrang eingeräumt. Im neuen Multimedia Newsroom sitzen nun alle drei Plattformen Internet, Fernsehen und Radio um den „editorial hotspot“. Reporter und Korrespondenten kommen mit ihren Themen besser durch, wenn sie mindestens für zwei Plattformen arbeiten. Die Ressorts und Themengebiete sind schon organisatorisch weitgehend integriert. Es gibt zum Beispiel nur noch ein Wirtschaftsressort, das die Online-Wirtschaft genauso macht wie die Radio- und Fernseh-Sendungen zu Wirtschaftsthemen.

Über dieses „360 degree commissioning & cross trailing“ berichtet zurzeit der leitende BBC-Wirtschaftsredakteur Dr. Tim Weber auf vielen Tagungen in Deutschland – unter anderem am 8. April in der Akademie für politischen Bildung in Tutzing (er ist Deutscher und hat in München studiert und beim BR gearbeitet). Webers Folien sind auf dem apb-tutzing-Server dokumentiert – und sicher empfehlenswert für alle, die sich mit dem Thema crossmedialer Journalismus beschäftigen.

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Videovortrag: Multimediale Newsrooms in Europa

12. März 2008 at 16:26 | In Internet, Kapitel_4, Newsroom, Redaktion, Zeitung, Öffentlich-rechtliche | 1 Comment

Der Hessische Rundfunk hat die Vorträge auf dem „Frankfurter Tag des Online-Journalismus“ (6. März) als Videos aufgezeichnet und komplett in guter Qualität ins Netz gestellt. Mit dabei ist mein Vortrag zum Thema „Multimediale Newsrooms in Europa“ (35 Min.) und der Vortrag „Audio-Bilder-Galerien – Video für Arme oder neuer Standard?“ (22 Min.) von Fabian Schweyher, dessen spannende Diplomarbeit zu diesem Thema ich im letzten Sommer betreuen durfte.

Transparenz im Journalismus durch Leseranwälte und Redaktionsblogs

16. November 2007 at 16:12 | In Ethik, Kapitel_7, Qualität, Redaktion | 6 Comments

„Transparenz“ ist ein Qualitätskriterium des Journalismus, das hierzulande noch nicht lange diskutiert wird und noch keinen großen Stellenwert hat. Es geht darum, dem „Publikum reinen Wein einzuschenken“ – wie es Stephan Ruß-Mohl einmal formuliert hat. Journalisten und Redaktionen sollen die Berichterstattungsbedingungen offenlegen und offensiv Fehler eingestehen und korrigieren – was letztlich der Glaubwürdigkeit dient und die Vertrauensbasis zwischen Journalismus und Publikum erweitert. Vor dem Hintergrund der Kommunikationsexplosion durch Internet und digitale Medien kommt dem Qualitätskriterium der Transparenz wachsende Bedeutung zu: „Ist wirklich dort (guter) Journalismus drin, wo Journalismus draufsteht?“, fragt sich das geneigte Publikum.

Aus den vielen Möglichkeiten, die Transparenz zu verbessern (vgl. z.B. die in Deutschland häufig vernachlässigte Correction Corner), möchte ich hier zwei herausgreifen bzw. verlinken, die durch Online-Kommunikation profitieren oder erst ermöglicht wurden: das Modell der Leseranwälte und das der Redaktionsblogs.

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Redaktion im digitalen Journalismus

15. Oktober 2007 at 12:46 | In Kapitel_4, Redaktion | Leave a Comment

„Newsroom“ und „Newsdesk“ sind seit einigen Jahren die Schlagworte bei der Re-Organisation von journalistischen Redaktionen. In einem kurzen Überblicksbeitrag für die Zeitschrift „Medienwirtschaft“ (Heft 3/07) habe ich versucht, aktuelle Entwicklungen einzuordnen. Der Beitrag ist online archiviert beim European Journalism Observatory.

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