Langfristige Nutzungstrends: „Unterschichtfernsehen“, Lesekultur und das „Aussterben der Zeitung“

26. Juni 2008 at 9:55 | In Kapitel_3, Publikumsforschung, Zeitung | No Comments

“Und wenn’s knallt… dann schauen Akademiker Tagesschau und heute” - so ist eine Kurzanalyse von Nutzerbefragungen zwischen 1987 und 1996 überschrieben. Gemeint ist, dass vor allem höher Gebildete ein gestiegenes Interesse an Fernsehnachrichten entwickeln, wenn ein Krieg die Themenlage beherrscht. Das ist zwar etwas flapsig formuliert, dahinter steckt aber solide wissenschaftliche Analyse: Das Medienwissenschaftliche Lehr- und Forschungszentrum (MLFZ) der Universität Köln untersucht die Daten der Media- und Leseranalyse im Hinblick auf langfristige Nutzungstrends und deren Zusammenhänge mit sozialem Wandel.

Die Ergebnisse werden in wissenschaftlichen Häppchen über einen E-Mail-Newsletter und auf der Website präsentiert. Die kurzen Texte sind mit Charts veranschaulicht. Die Analysen zeigen Nutzungstrends zwischen 1954 und 2005 - also vor und nach dem Internet-Zeitalter. Das sind interessante Schlaglichter. So ganz ohne theoretische Einbettung aber auch ziemlich isoliert. Wer sich in diese Thematik näher einlesen will, muss schon auf differenzierte Publikationen der Forschergruppe in Fachzeitschriften zurückgreifen (wie etwa zum “Unterschichtfernsehen” in der Publizistik). Dennoch hier einige Beispiele der Häppchen:

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Videovortrag: Multimediale Newsrooms in Europa

12. März 2008 at 16:26 | In Internet, Kapitel_4, Newsroom, Redaktion, Zeitung, Öffentlich-rechtliche | 1 Comment

Der Hessische Rundfunk hat die Vorträge auf dem “Frankfurter Tag des Online-Journalismus” (6. März) als Videos aufgezeichnet und komplett in guter Qualität ins Netz gestellt. Mit dabei ist mein Vortrag zum Thema “Multimediale Newsrooms in Europa” (35 Min.) und der Vortrag “Audio-Bilder-Galerien – Video für Arme oder neuer Standard?” (22 Min.) von Fabian Schweyher, dessen spannende Diplomarbeit zu diesem Thema ich im letzten Sommer betreuen durfte.

Empirisch geprüft: Internet verdrängt Tageszeitung

20. Dezember 2007 at 15:48 | In Internet, Journalismusforschung, Kapitel_3, Kapitel_4, Kapitel_7, Publikumsforschung, Zeitung | 2 Comments

Ergänzend zu meinem Beitrag Auslaufmodell Tageszeitung ein aktueller Hinweis auf eine Studie, die jetzt in der Zeitschrift “Medien & Kommunikationswissenschaft” erschienen ist. Der Beitrag erhärtet empirisch die These der zunehmenden Verdrängung der Tageszeitung durch Nachrichtensites im Internet. Castulus Kolo und Robin Meyer-Lucht haben in Zeitreihenanalysen die Daten aus zwei großen Mediennutzungsstudien (ACTA und AWA) zwischen 2000 und 2006 ausgewertet. Dies ist zwar nicht unproblematisch, weil diese Befragungen eigentlich für einen anderen Zweck erhoben wurden und sich Schlussfolgerungen zum Verhältnis zwischen Tageszeitung und Nachrichtensites nur indirekt ziehen lassen. Allerdings sind die Indizien so eindeutig, dass eine starke Verdrängung insbesondere bei nachrichteninteressierten Nutzern (”News-Junkies”) als erwiesen gelten kann. Dramatisch ist nicht nur der Rückgang des gesamten Leserkreises, sondern vor allem die Erosion der Intensivleserschaft bei Tageszeitungen.

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Auslaufmodell Tageszeitung?

12. Dezember 2007 at 10:57 | In Kapitel_4, Kapitel_7, Zeitung | 2 Comments

Die Prognosen über die Zukunft der Tageszeitung sind extrem bunt. Ein Bericht aus der Schweiz - wo die Gratiszeitungen boomen - fasst einige schillernde Stellungnahmen aus Praxis und Wissenschaft zusammen. Wird das Internet zunehmend zum “Leitmedium” vor allem der jungen Generation? Oder wollen junge Menschen Zeitung lesen, aber nur nicht dafür bezahlen - wie mir letzte Woche ein österreichischer Medienmanager sagte? Wird es in 5, in 10 oder in 20 Jahren keine Printzeitung mehr geben? - Auf fünf Jahre Galgenfrist setzt so mancher US-amerikanischer Medienmanager; 20 Jahre ist die zentraleuropäische Perspektive (die z.B. der Wissenschaftler Klaus Schönbach vertritt). Der Abgesang auf täglich neu bedrucktes Papier kommt vor allem aus den anglo-amerikanischen Ländern. „Druckerschwärze auf toten Bäumen“ nennt Andrew Gowers, Ex-Chefredakteur der Financial Times, die klassische Zeitung auf Papier. Und der Verleger der New York Times, Arthur Ochs Sulzberger Jr., wird mit den Worten zitiert: “I really don’t know whether we’ll be printing The Times in five years, and you know what? I don’t care.” Das soll optimistisch klingen. Und in der Tat: Die großen Medienkonzerne in aller Welt haben nun endgültig das Internet für sich entdeckt: Es soll nicht mehr Konkurrenz und Bedrohung für die traditionellen medialen Plattformen sein, sondern ein Wachstumsmotor.

Hat die gedruckte Zeitung eine Zukunft? - Diskussionsbeiträge willkommen.

FAZ in neuem Kostüm

10. Oktober 2007 at 8:58 | In Kapitel_3, Kapitel_4, Kapitel_5, Publikumsforschung, Zeitung | No Comments

Seit 5. Oktober erscheint die Frankfurter Allgemeine Zeitung erstmals regelmäßig mit einem Foto auf der Titelseite und mit einer etwas veränderten Typografie (es verschwand die Frakturschrift über den Kommentaren). Die Kolleginnen und Kollegen der anderen Zeitungen berichteten eifrig darüber (der Tagesspiegel z.B. schrieb von einem “Revolutiönchen”). Einer der Herausgeber, Werner D’Inka, gab im Leitartikel unter dem Titel “Wir bleiben uns treu” zu, dass die bisherige Gestaltung weder zeitgemäß noch attraktiv war. Das ist ein kleiner Schritt in der Geschichte der Tageszeitung - aber offenbar ein großer Schritt für die FAZ. Mit etwas Abstand betrachtet merkt man, dass sich die Redaktion doch arg schwer tut.

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