Der Multimedia Newsroom der BBC

17. April 2008 um 10:38 | Veröffentlicht in Öffentlich-rechtliche, Internet, Kapitel_4, Kapitel_7, Newsroom, Redaktion | 1 Kommentar

Beim Thema „crossmediale Redaktionen“ reden wir zurzeit häufig über die Verbindung von Print und Online – vor allem bei Tageszeitungen. Doch auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland werden Strategie-Papiere erarbeitet, einzelne Projekte umgesetzt oder sogar Newsrooms und Rundfunkhäuser komplett neu strukturiert (wie z.B. beim ZDF, beim Saarländischen Rundfunk oder bei Radio Bremen).

Dass die deutschen Rundfunkanstalten erst am Anfang stehen, zeigt das Beispiel der BBC: Mit dem Programm „Creative Future“ hat die traditionsreiche britische Anstalt vor etwa einem Jahr der on demand-Strategie und den Online-Diensten (24/7-Diensten) den Vorrang eingeräumt. Im neuen Multimedia Newsroom sitzen nun alle drei Plattformen Internet, Fernsehen und Radio um den „editorial hotspot“. Reporter und Korrespondenten kommen mit ihren Themen besser durch, wenn sie mindestens für zwei Plattformen arbeiten. Die Ressorts und Themengebiete sind schon organisatorisch weitgehend integriert. Es gibt zum Beispiel nur noch ein Wirtschaftsressort, das die Online-Wirtschaft genauso macht wie die Radio- und Fernseh-Sendungen zu Wirtschaftsthemen.

Über dieses „360 degree commissioning & cross trailing“ berichtet zurzeit der leitende BBC-Wirtschaftsredakteur Dr. Tim Weber auf vielen Tagungen in Deutschland – unter anderem am 8. April in der Akademie für politischen Bildung in Tutzing (er ist Deutscher und hat in München studiert und beim BR gearbeitet). Webers Folien sind auf dem apb-tutzing-Server dokumentiert – und sicher empfehlenswert für alle, die sich mit dem Thema crossmedialer Journalismus beschäftigen.

Der BBC Newsroom: Abbildung aus dem Foliensatz von Tim Weber.

Weber war im Oktober 2007 auch im Unterausschuss Neue Medien des Deutschen Bundestages. Davon gibt es ein Protkoll. Ich zitiere hier aus diesem Protokoll eine zentrale Aussage Webers zu Online-Content im Kontext eines crossmedialen Redaktionskonzepts:

„…es geht nicht darum, dass ich sage, die Sendung, die um 23:15 Uhr läuft, biete ich noch einmal woanders an, sondern es geht darum, dass der Inhalt, den ich anbiete, der mit öffentlich-rechtlichen Maßstäben erstellt worden ist, so angeboten wird, wie er ist. Das kann natürlich ein Catch-Up-Fernsehen sein, was ein Gegenstück zu dem ist, was Sie in Deutschland Mediathek nennen. Wir nennen das jetzt „iPlayer“. Das kann ein Online-Angebot sein, das kann eine Hörfunk- oder Fernsehversion sein. Aber das Wichtige ist, dass wir die Inhalte auf den Plattformen, auf denen der Zuschauer, Verbraucher bzw. Leser gerade ist, anbieten. Man muss sehen, dass diese eins zu eins Übertragung nicht funktioniert. Das Publikum akzeptiert das nicht, das können wir an den Nutzungszahlen ganz klar feststellen. Aber es funktioniert, wenn man es plattformgerecht aufarbeitet. …“

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  1. […] Meine drei Vorträge in den vergangenen Wochen sind gut dokumentiert: “Multimediale Newsrooms in Europa” hieß mein Beitrag für den Frankfurter Tag des Online-Journalismus beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am 6. März (Videos der kompletten Vorträge). Anschließend ging’s gleich nach Luzern zur Schweizer Journalistenschule MAZ, die am 7./8. März zur internationalen Tagung “Merging Media, Converging Newsrooms” eingeladen hat (Bilder und Vortragspräsentationen). Ein englisch-sprachiger Tagungsband ist in Vorbereitung. Am 7./8. April habe ich in der Akademie für politische Bildung in Tutzing die Keynote zur Tagung “Crossmedia. Herausforderungen für die journalistische Aus- und Fortbildung” gehalten (Folien). Empfehlenswert sind dort auch die Folien von Tim Weber, BBC – der zurzeit von einer Tagung und von einer Rundfunkanstalt zur nächsten gereicht wird. Der Crossmedia-Ansatz der BBC ist schon gewaltig (vgl. meinen Eintrag mit Abbildung des BBC-Newsrooms und Zitat von Weber im Journalistik-Lehrbuch-Blo…). […]


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