Traumberuf Journalist: Wege in den Journalismus – ein Überblick

7. September 2009 um 10:37 | Veröffentlicht in Journalisten, Journalistik, Kapitel_6 | 1 Kommentar

Nachdem der Pulverdampf der Debatte über einen provozierenden Artikel von Detlef Esslinger zur Ausbildung von Journalisten verraucht ist, möchte ich einen knappen und sachlichen Überblick über die verschiedenen Wege geben, die in den Journalismus führen. Denn auch meine Antwort auf Essingers Text war ein scharf formuliertes Plädoyer für die Journalistik – und kaum geeignet, Schülerinnen und Schüler bei einer sachlichen Entscheidung zu unterstützen, was für jeden persönlich der geeignete Studien- und Ausbildungsweg ist.

Bei der folgenden Übersicht orientiere ich mich an dem Buch „Einführung in den praktischen Journalismus“ (18. Auflage 2008), das Walther von La Roche 1975 erstmals veröffentlicht hat und an dem ich zusammen mit Gabriele Hooffacker seit zehn Jahren mitarbeite.

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, kann das Interview lesen, das ich im Juli für das Jugendnetzwerk fluter.de der Bundeszentrale für politische Bildung gegeben habe: Es ist in erster Linie für Schüler gedacht, die mit dem Gedanken spielen Journalist zu werden (Traumberuf Journalist/in?).

„Den Königsweg in den Beruf gibt es nicht“, schreiben wir in der „Einführung in den praktischen Journalismus“ auf S. 200. Und in der Tat hat man viele Wege zur Auswahl. In der Regel wird ein Anfänger darauf achten Hochschulstudium und journalistische Praxis miteinander zu kombineren. Das heißt dann: journalistische Praxis vor dem Studium, ins Studium integriert, neben dem Studium oder nach dem Studium – in Form von praktischen Seminaren, Praktika, eines Volontariats oder des Besuch einer Journalistenschule. Bei aller nötigen Praxis hat es sich absolut bewährt, überhaupt zu studieren und das Studium auch abzuschließen.

Acht Wege führen über die Hochschule in den Journalismus:

  • Man kann ein herkömmliches, fachfremdes Studium absolvieren – also z.B. Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Biologie oder Medizin – und sich nebenbei um permanente Praxiserfahrungen im Journalismus bemühen (Praktika, freie Mitarbeit). Vorteil ist, dass man sich für ein Spezialgebiet qualifiziert. Nachteil ist der fehlende Bezug zum Journalismus und zur Medienbranche, um den man sich irgendwie selbst kümmern muss – ohne wissenschaftliche Reflexion und Forschung.
  • Man kann das Studium durch eine studienbegleitende Journalistenausbildung ergänzen – zum Beispiel am ifp oder der Kölner Journalistenschule.
  • Man kann Journalistik studieren und mit dem Bachlor oder dem Master abschließen. Die Journalistik integriert alle journalistischen Kompetenzen ins Studium: In der Regel gehört ein Sachwissen zu Berichterstattungsgebieten ebenso dazu wie die Methoden und Ergebnisse medien- und kommunikationswissenschaftlicher Forschung und ein Training des journalistischen Hand- und Kopfwerks. Im Journalismus ist nicht mehr nur das „Handwerk“ wichtig, sondern zunehmend auch das „Kopfwerk“ – also nicht nur Recherchieren und Schreiben, sondern auch das Nachdenken, Forschen und Reflektieren über neue Formen und Formate für sich rasant ändernde Medienbedingungen.
  • Man kann zunächst einmal irgendein Studium mit dem Bachelor abschließen und dann einen Journalistik-Master anhängen.
  • Man kann als zweites Fach Journalistik studieren. Hier entstehen seit einiger Zeit immer wieder neue Studiengangsmodelle: z.B. Sportjournalismus, Wissenschaftsjournalismus, Technikjournalismus oder Musikjournalismus.
  • Man kann andere praxisorientierte Vollstudiengänge wählen, die oft unter der Bezeichnung „Medien-“ oder „Kommunikationswissenschaft“ firmieren. Bei der Studiengangswahl ist es wichtig, sich die Dozenten, die Ausstattung und die Lehrpläne genauer anzuschauen – inwiefern sie konkret auf den Journalismus vorbereiten.
  • Man kann als Haupt- oder Nebenfach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studieren. Viele Institute verstehen sich allerdings als Vor-Bildung für den Journalismus, nicht als Aus-Bildung. Sie bereiten entsprechend nicht nur auf den Journalismus, sondern auf eine Vielzahl von Medienberufen vor – mit Fokus auf Forschungsprojekte. Auch hier ist also ein Blick auf Lehrpläne, Dozenten und Ausstattung besonders wichtig.
  • Man kann schließlich an einer Hochschule bzw. Akademie für Fernsehen und Film studieren.

Das eigene Interesse und der Spaß am Studienfach sollten bei der Studienwahl entscheidende Rollen spielen: Will ich mich in ein bestimmtes Spezialgebiet detailliert einarbeiten – oder möchte ich mehr über den Journalismus, seine Hintergründe und Funktionsweisen erfahren und darüber nachdenken? Wer beides möchte, kann das ja kombinieren – zum Beispiel mit der Kombination aus Biotechnologie/Physik und Journalismus in einem Studiengang Wissenschaftsjournalismus.

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1 Kommentar »

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  1. „Den Königsweg in den Beruf gibt es nicht“ – wenn ich mir einen Satz bei von La Roche gemerkt habe, dann wird es dieser gewesen sein. Und selbst wenn man sich auf einen der oben von Ihnen angesprochenen Wege gemacht hat, dann ist dieser wohl immer noch eine achtspurige Autobahn, auf der es schier unendlich viele Möglichkeiten gibt, ans Ziel zu kommen. Meine Autobahn heißt jetzt „TU Dortmund – Journalistik BA“. Mal sehen, was die Fahrt bringt.


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