Zeitungsleser lieben auch lange Texte

4. Oktober 2013 um 17:50 | Veröffentlicht in Allgemein, Journalismusforschung, Kapitel_3, Zeitung | 2 Kommentare

Auch lange Texte werden gelesen: Das 3sat-Magazin „nano“ berichtet über ein Projekt der Sächsischen Zeitung in Dresden, bei dem Leser mit einem Scanner markieren, was sie in der Zeitung lesen  – ähnlich den „ReaderScan“-Projekten bei anderen Zeitungen. Mit spannenden Erkenntnissen.

Dritte Auflage des Lehrbuchs „Journalistik“ ist in Druck

11. September 2013 um 13:40 | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Im Oktober 2013 wird die dritte Auflage des Lehrbuchs „Journalistik“ erscheinen. Vor kurzem ist die komplett überarbeitete und aktualisierte Version in Druck gegangen. Die Neuauflage ist schon zwei Jahre nach der zweiten Auflage 2011 nötig, weil das Buch so viele Leserinnen und Leser fand und es jetzt schon vergriffen ist. Ich freue mich auch weiterhin über Leserinnen und Leser, die mich auf Fehler hinweisen und Tipps zur Überarbeitung geben (Feedback). Ich werde alles bis zur vierten Auflage sammeln.

Statistisch belegt: starke Pressefreiheit und geringes Vertrauen in die Medien hängen zusammen

17. Mai 2013 um 16:06 | Veröffentlicht in Allgemein, Journalismusforschung, Kapitel_2, Kapitel_3, Kommunikationsfreiheit | 2 Kommentare

Eine Frage, die bislang meines Wissens nicht wissenschaftlich untersucht ist, treibt mich schon länger um: Hängt das Vertrauen, das die Menschen in die Medien und den Journalismus haben, mit dem Grad der Pressefreiheit in ihrem Land zusammen? Mir ist schon länger aufgefallen, dass Bevölkerungsumfragen immer wieder ergeben, dass in einzelnen Ländern mit hoher Pressefreiheit – wie Schweden (Platz 1 im Freedomhouse-Ranking), Deutschland (Platz 19) oder den USA (Platz 23) – das Vertrauen in Medien ausgesprochen niedrig ist: Das „Edelman-Trust-Barometer“ zum Beispiel hat ergeben, dass in Deutschland nur 42 Prozent der Menschen den Medien vertrauen, in Schweden sind es 38 Prozent und in den USA 45 Prozent. In Italien dagegen wird die Pressefreiheit weniger stark eingeschätzt (Platz 68, nur „teilweise frei“) – das Vertrauen in die Medien ist dagegen recht hoch (57 Prozent). Ganz drastisch ist es in China und Indonesien, wo 79  bzw. 80 Prozent der Menschen den Medien vertrauen – es aber mit der Pressefreiheit nicht weit her ist (Plätze 179 und 96). Ähnliche Unterschiede hatten sich auch bei der Umfrage „Trust in the Media“ von BBC und Reuters im Jahr 2006 ergeben.

Nun habe ich einen statistischen Beleg dafür gefunden, dass es tatsächlich einen Zusammenhang geben könnte. Wenn man zwischen den aktuellen Werten des Edelman-Trust-Barometers und des Freedomhouse-Rankings die Korrelation berechnet, liegt der Zusammenhang beider Variablen bei 0,51 (berechnet nach Spearman). Das ist eine mittlere Korrelation – und sie ist auf dem Niveau von 0,01 sehr signifikant. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns mit der Annahme eines Zusammenhangs irren, liegt hier bei unter einem Prozent. Auf den Punkt gebracht: In einem Land mit starker Kommunikationsfreiheit ist grundsätzlich bei der Bevölkerung ein geringes Vertrauen in den Journalismus zu erwarten.

Diagramm-Trust-Pressfreedom.001Man muss natürlich einwenden, dass beide Variablen aus unterschiedlichen Studien stammen, und dass die Werte aus nur 25 Ländern vorliegen. Aber immerhin gehen Länder aus vier Kontinenten in die Berechnung ein (Afrika ist nicht vertreten). Wie gesagt: Das sind nun erste harte Indizien, die weiter wissenschaftlich untersucht werden müssen.

Woran könnte der Zusammenhang liegen?

Zwei Erklärungen liegen auf der Hand: Sägen Journalisten in freien Ländern an dem Ast, auf dem sie sitzen, weil sie mit dem Privileg der Pressefreiheit in einer Weise umgehen, der ihre eigene Glaubwürdigkeit ruiniert? – Oder liegt es nicht vielmehr daran, dass das Publikum in einer offenen Gesellschaft nicht mit einer veröffentlichten Meinung, sondern mit einer vielschichtigen, sich oft widersprechenden öffentlichen Debatte umgehen muss? Wem soll man da vertrauen? Eine pluralistische Öffentlichkeit würde dann grundsätzlich nicht das Vertrauen in den Journalismus fördern.

Die Ergebnisse und Begründungen machen nachdenklich: Wenn der Journalismus in Deutschland eine einheitlichere, eher regierungsnahe Öffentlichkeit herstellen würde, könnte das seine Glaubwürdigkeit stärken. Oder anders formuliert: Ein Journalismus, der nach Vertrauen giert, ist nicht unbedingt ein besserer Journalismus. Diskussionen dazu sind erwünscht.

Nachtrag: Geradezu unglaublich, wie schnell soziale Netzwerke reagieren. Björn Buß hat mich sofort auf Facebook darauf hingewiesen, dass sich Jan Müller in seiner Dissertation mit dieser Frage beschäftigt hat (gerade erschienen am 18.4.2013). Vielen Dank für diesen wertvollen Hinweis! Jan Müller kommt zu dem Ergebnis, „dass zwar in westlichen Demokratien ein ausgeprägter Vertrauensverlust in die Medien zu verzeichnen ist, Nachrichtenmedien in autoritären Regimen dagegen von der Bevölkerung als wesentlich glaubwürdiger eingeschätzt werden. Dieser Befund erklärt sich mit dem sogenannten emanzipativen Wertewandel: Je höher die Bildungsressourcen eines Volkes sind, desto ausgeprägter ist das Maß der kritischen Distanzierung von staatlichen und politischen Institutionen.“

Neues Buch zur Journalismusforschung

14. Dezember 2012 um 13:51 | Veröffentlicht in Allgemein, Journalismusforschung, Journalistik | Hinterlasse einen Kommentar

Cover-Journalismusforschung

Den Stand und die Perspektiven der Journalismusforschung beschreibt und analysiert ein neues Buch, das ich zusammen mit Christoph Neuberger im Verlag Nomos herausgegeben habe. Das Buch mit Erscheinungsjahr 2013 ist bereits jetzt lieferbar. 15 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und der Schweiz haben dazu beigetragen. Die meisten sind Professoren für Journalistik und Journalismusforschung. In der Buchbeschreibung heißt es:

Der Journalismus befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Gewissheiten schwinden, und vieles, was bisher selbstverständlich war, wird in Frage gestellt. Die Journalismusforschung sucht fundierte Antworten auf komplexe Fragen – auf der Basis wissenschaftlicher Theorien und empirischer Belege. Dieser Band liefert als Auftakt der Buchreihe „Aktuell. Studien zum Journalismus“ eine Standortbestimmung für die Journalismusforschung.

Die Autorinnen und Autoren sind ausgewiesene Kenner der Forschungsbereiche, deren zentrale Fragen, Theorien und Ergebnisse sie kompakt präsentieren. Außerdem entwickeln sie Perspektiven für die künftige Forschung. Dabei haben sie den vielschichtigen Wandel des Journalismus in Gegenwart und Zukunft im Blick. Als Grundlagenwerk richtet sich der Band sowohl an Wissenschaftler und Studierende als auch an Journalisten, die Einblick in die Forschung gewinnen wollen.

Die neue Buchreihe „Aktuell. Studien zum Journalismus“ wird von Andrea Czepek (Wilhelmshaven), Ralf Hohlfeld (Passau), Frank Lobigs (Dortmund), Wiebke Loosen (Hamburg), Klaus Meier (Eichstätt) und Christoph Neuberger (München) herausgegeben. Demnächst werden einige interessante Dissertationen in den Buchreihe erscheinen: u.a. von Daniel Nölleke (Uni Münster) zu „Experten im Journalismus“ und von Annika Sehl (TU Dortmund) zu Partizipativem Journalismus in Tageszeitungen.

Nebenaspekt der CSU-Pressesprecher-Affäre: Kumpanei zwischen Bayerischem Rundfunk und CSU

24. Oktober 2012 um 21:02 | Veröffentlicht in Allgemein, Öffentlich-rechtliche, Ethik, Kapitel_7, Kommunikationsfreiheit, Qualität | 6 Kommentare

In der Berichterstattung heute über die Affäre um den Anruf des CSU-Pressesprechers Hans Michael Strepp beim ZDF gibt es einen Nebenaspekt, der ziemlich unterging, den ich aber für bedenklich halte, weil der den Umgang zwischen Journalisten des Bayerischen Rundfunks und der CSU offenlegt. Der Bayerische Rundfunk berichtet (Audio von Nikolaus Neumaier, Leiter der Redaktion Landespolitik im Hörfunk):

Strepp schickte dem BR-Korrespondenten Oliver Mayer-Rüth (ARD-Fernsehen) eine SMS und fragte: „Wissen Sie eigentlich, ob ARD heute was macht zu Ude in Nürnberg? Danke für Info“. Daraufhin bekam er als Antwort: Die ARD mache nichts, vielleicht mache der BR was.

Erstens: Dass ein Parteipressesprecher am Sonntag um 9.41 Uhr eine derartige SMS schreibt, zeugt davon, dass ein enges Verhältnis zwischen ihm und dem Fernsehjournalisten herrscht und solche Anfragen offenbar ganz normal sind.

Zweitens: Die einzige richtige Antwort des Journalisten müsste sein: „Das geht Sie gar nichts, aber schon rein gar nichts an.“

Stattdessen plaudert der Journalist redaktionsinterne Planungen über die Berichterstattung über den SPD-Parteitag an den CSU-Mann aus. Es gibt ganz offensichtlich eine Kumpanei zwischen dem BR-Fernsehen und der CSU – zumindest zwischen dem BR-Korrespondenten im ARD-Hauptstadtstudio und der CSU-Pressestelle.

Dies wird in der Berichterstattung über die ganze Affäre sonst nicht thematisiert (vgl. z.B. 1, 2, 3, 4, auch nicht im ARD-Tagesschau-Beitrag zur Affäre). Oder ist mir was entgangen?

Wenigstens stimmte dann die Berichterstattung am Ende (entgegen der Auskunft des BR-Journalisten): Beide öffentlich-rechtlichen Sender, ARD und ZDF, berichteten in ihren Nachrichtensendungen sowohl über den CSU- als auch über den SPD-Landesparteitag. Wer weiß: Vielleicht hat die Tagesschau-Redaktion in Hamburg ja am Ende anders entschieden, als die BR-Journalisten im ARD-Hauptstadtstudio wollten?

Nachtrag (26.10.2012): Ich habe heute mit dem BR-Korrespondenten Oliver Mayer-Rüth telefoniert. Er sagte, die SMS von Strepp an ihn sei „unüblich“ gewesen und seine sofortige Antwort eine „höfliche Geste“. Er wehrt sich gegen den Vorwurf der Kumpanei; schließlich habe er von sich aus dazu beigetragen, die Sache zu veröffentlichen und damit transparent zu machen (via den oben erwähnten Audio-Beitrag von B5-aktuell). Da gebe ich ihm Recht: Wenn er tatsächlich ein Kumpan des CSU-Pressesprechers wäre, hätte er geschwiegen.

Unwissenschaftlich? Ein Interview zu den Reaktionen auf meine umstrittenen Blog-Beiträge

16. März 2012 um 10:10 | Veröffentlicht in Allgemein | 1 Kommentar

Eine Eichstätter Journalistik-Studentin hat mich für das Eichstaett-Blog zur Resonanz meiner Blogeinträge in Blogosphäre, Twitter und Facebook und in der anderen Medienwelt gefragt. Vor allem geht es um die Kritik von meedia-Autor Jens Schröder, der sich „Mr. Analyzer“ nennt, an meiner Auflagenkurve der Tageszeitung und den Vergleich zwischen „Bild“ und „Sun“. Ist das alles ein Lehrstück, wie Journalismus funktioniert? – Ich denke schon.  Der Schweizer Kollege Vinzenz Wyss hat mir geschrieben: „Da sieht man mal, wie konkrete Zahlen und binäre Entscheidungen (Tod/Leben) Aufmerksamkeit generieren.“ Die alten Aufmerksamkeitsregeln des Journalismus gelten auch für die neuen Medienwelt – dort vielleicht sogar noch mehr.

Von der Schröder-Kritik gibt es seltsamer Weise mindestens zwei Versionen, die auch unterschiedlich kommentiert werden: Version 1 und Version 2.

Zweite Auflage des Lehrbuches „Journalistik“ erschienen

31. August 2011 um 10:38 | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

In diesen Tagen ist die zweite Auflage erschienen: Ich habe Daten, Hinweise auf Forschungsergebnisse und Literaturangaben durchgehend aktualisiert. Zudem konnte ich nun die Fehler ausbessern, auf die mich freundliche Leserinnen und Leser hingewiesen hatten (Feedback). Ich freue mich über weitere Tipps und Hinweise, Lob und Kritik.

2007 insgesamt 956 Exemplare verkauft

22. Februar 2008 um 19:16 | Veröffentlicht in Allgemein | 3 Kommentare

Im Zeitalter der Quote und Reichweiten-Messung eine Meldung dazu vom Buchmarkt: Heute kam ein Brief von meinem Lektor bei UVK, Rüdiger Steiner: 956 Exemplare wurden vom Lehrbuch „Journalistik“ im Jahr 2007 verkauft (also in den ersten vier Monaten). Das freut uns sehr. Wissen wir doch, dass es inzwischen eine Menge Fachbücher zu Medien und Journalismus gibt – und Studierende im digitalen Zeitalter ja angeblich nicht mehr so viele Bücher lesen (was ich eigentlich bezweifle).

Doch was sagt uns diese Zahl? – Wie immer bei Reichweiten ;-), ist eine Einordnung nur durch Vergleichszahlen möglich. Leider kenne ich die aber nicht von der Konkurrenz, sondern nur von meinen eigenen Büchern: Das Praxis-Lehrbuch „Internet-Journalismus“ wurde im ersten Jahr 1998 insgesamt 1178 Mal verkauft (in acht Monaten) – im Boomjahr 2000 sogar 2137 Mal. Aber das ist wohl eher eine Ausnahme. Meine Dissertation „Ressort, Sparte, Team“ gönnten sich im ersten Jahr 2002 gerade mal 165 Käufer.

Für die Bestseller-Liste reicht das alles nicht. Zum Trost: Bei Amazon wird die „Journalistik“ auf Verkaufsrang 106.212 geführt. Eigentlich fast gleich hinter der „Einführung in den praktischen Journalismus“ von Walther von La Roche (28.268) :-).

Erscheinungstermin: 20. September 2007

5. September 2007 um 22:20 | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Endlich geschafft: Das Lehrbuch Journalistik ist in Druck. Am 20. September wird das Buch mit 276 Seiten ausgeliefert. In diesem Weblog möchte ich mit den Leserinnen und Lesern des Buchs in Kontakt kommen, Rezensionen und Feedback sammeln. Bitte nutzen Sie für Feedback den Link in der Leiste oben. Für Hinweise auf Rezensionen bin ich dankbar (am besten per Mail).

Das Blog zum Buch

4. September 2007 um 22:21 | Veröffentlicht in Allgemein | 1 Kommentar

Bücher sind schon eine seltsame Publikationsform, die nicht mehr so recht in unser Zeitalter passen wollen. Da sitzt man drei Jahre lang gebückt am Schreibtisch, macht sich tausende Gedanken – und schreibt vor sich hin. Natürlich gibt es liebe und kompetente Kollegen, die Tipps geben, redigieren und gegenlesen (Danke!). Aber dann wird das Buch gedruckt – und es ist weg. Man kann nichts mehr ergänzen, korrigieren, aktualisieren.

Dazu also nun ein Blog: Ich möchte hier Fundstücke zusammentragen, welche die Themen des Lehrbuchs ergänzen und aktualisieren. Ich möchte nicht tagesaktuell und regelmäßig Journalismus und Medienbranche kommentieren – das geschieht in anderen Blogs schon recht häufig (man verzeihe mir die nicht tagesaktuelle und wenig intensive Vernetzung in der Blogosphäre). Vielmehr geht es mir um Beispiele, Trends, wichtige Ereignisse und Entscheidungen, welche den Journalismus beeinflussen – und vor allem auch um einen Transfer journalistik-wissenschaftlicher Forschung in die Medienpraxis. Ich werde immer wieder auf relevante Studien hinweisen.

Ob’s gelingt? Ich weiß es nicht. Es ist – wie so vieles im Netz – ein Experiment.

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